Heilbronner Management Dialog mit Liz Mohn

Liz Mohn bei den Heilbronner Management Dialogen

Liz Mohn bei den Heilbronner Management Dialogen

Obwohl ich eigentlich in der vergangenen Woche im Umzugus-Urlaub war, musste ich dienstags einfach an die GGS kommen: Wo bekommt man sonst die einmalige Chance, eine solche „Grand Dame“ und gleichzeitig die mächtigste Medienfrau Europas Liz Mohn einmal live zu erleben?

Verantwortung und Führung waren die beiden Leitideen ihrer Ansprache im Forum des Bildungscampus.  Mehrfach bezog sie sich auf die Führungsphilosophie ihres verstorbenen Gatten, die sie offensichtlich weiterträgt. Diese liegt ganz im „Mainstream“ der aktuellen Management- und Führungsliteratur und stützt sich auf Werte wie Verantwortungsdelegation, Freiräume und Vertrauen. Was mich begeistert hat, war ihre flammende Verfechtung des Grundbedürfnisses nach Anerkennung der Mitarbeiter. Ausführlich legte sie dar, wie durch gesunkene Religiosität und abgeschwächte familiäre Bindungen das Unternehmen viel mehr „Eltern- und Familienrolle“ übernehmen muss, weil die Ansprüche der Mitarbeiter dahingehend stark gewachsen sind. Daher müsse das Unternehmen, und ganz konkret eigentlich jede Führungskraft, sehr bewusst auch dem Bedürfnis nach Lob und Anerkennung nachkommen.

Durch ihren ganzen Vortrag zog sich der, für mich überraschende, starke Bezug zum Privatleben der Mitarbeiter. Sie plädiert stark für ehrenamtliches Engagement und weist auf Probleme durch hohe Scheidungsraten hin. Hier kommt meiner Ansicht nach ihr Background durch, der wohl eher durch das „Ehefrau-und Schirmherrin-Sein“ als durch operative Führung geprägt ist. Mir als BWLerin gingen da zunächst harte Produktivitätsverluste durch den Kopf, als gesellschaftliches Engagement und Scheidungsprobleme meiner Mitarbeiter. Aber es hat mich doch stark zum Nachdenken gebracht, da auch ich mich in erheblichem Umfang ehrenamtlich engagiere – das allerdings bisher als mein reines Privatvergnügen betrachtet habe. Mich hat der Vortrag in jedem Fall einmal wieder in der Auffassung bestätigt, dass eine aktuelle Führungsphilosophie die eigenen Mitarbeiter schätzen und üppige Gelegenheit zur Entfaltung bieten sollte. Und darüber angeregt nachzudenken, in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben würden, wenn sich nicht so viele Menschen sozial und ehrenamtlich engagieren würden. Meine persönliche Sorge ist die, dass unsere aktuelle Teenagergeneration erheblich weniger Interesse an sozialem Engagament besitzt, nicht zuletzt durch den wahrgenommenen (Zeit-)Druck im Bachelorstudium. Hier sollten wir alle darüber nachdenken, was uns gesellschaftliches Engagament bedeutet und wie wir es stärken können.

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