Der letzte Kreuzzug

Kappadokien – Land der Frühaufsteher. Um 06:15 Uhr startet unser Ballon und so werden wir um 05:00 Uhr abgeholt und treffen kurz darauf in der Abfertigungshalle der Airline ein. Frisches Gebäck und Heißgetränke werden gereicht und der brechend gefüllte Saal summt vom aufgeregten Geschnatter der internationalen Fluggäste. DSC_0577Der Shuttle bringt uns zum Abfluggelände, wo uns die tollkühnen Männer mit ihren fliegenden Körben erwarten. Es liegt weiter draußen. Ob der hohen Startfrequenz von Heißluftballonen in den kappadokischem Himmel hat man neue Airfields angelegt, damit sich die vielen abhebenden Aeronauten nicht in die Quere kommen.

Gewohnte Sicherheitsbelehrung durch das Kabinenpersonal nach Einstieg in den Korb. Die Schwimmweste unter dem Sitz gibt es hier nicht, stattdessen laden Schlaufen aus rustikalem Tauwerk an den Korbwänden zum beherzten Festhalten ein. DSC_0574Das Abheben in die sich abzeichnende Morgendämmerung lässt Herzen und Mägen höher schlagen. Brüllende Feuerstöße schicken heiße Luft in die Ballonhülle und geben auch nach unten wohlige Wärme an die Reisenden ab. Wir gewinnen an Höhe und sind von der Schar der mitfliegenden Luftschiffe und Faszination der urwüchsigen Landschaft überwältigt. Nach 6000m ist Schluß, der darüberliegende Luftraum gehört den modernen Jets. Friedlich im Äther treibend schweben wir der aufgehenden Sonne entgegen. Auch in Kappadokien wird erfolgreich guter Wein angebaut, doch der Blick aus der Vogelperspektive auf vereinzelte knotig trockene Weinstöcke hält dem satten Grün des Unterlandes keinen Vergleich stand.

DSC_0593Das mitleidige Lächeln, das die Fluggäste der Ankündigung einer vorbildlichen Punktlandung entgegensetzen, gefriert abrupt, als der smarte Kapitän sein Gefährt gekonnt auf den zum Abtransport bereitstehen Hänger aufsetzt. Man packt dann aber gerne mit an, als es gilt, die sich leerende Ballonhülle fachgerecht zu falten und zu verstauen. Krönender Abschluss der Exkursion mit Sektempfang und Überreichung von Urkunden. Gemeinsame Fotos werden gemacht, gute Wünsche ins goldene Buch eingetragen und Zuwendungen in die Pilotenkasse gespendet. Es geht zurück ins Hotel, um nach diesmal ausgiebigem Frühstück zu neuen Taten aufzubrechen.

DSC_0611Der Besuch der mittelalterlichen Felsenkirche und Klosteranlage nahe Göreme steht als nächstes auf dem Programm. Im Gedränge der Touristenmenge wird unsere Gruppe durch die Kapellen und Krypten der historischen Anlage geleitet. Hier stand die Wiege des Christentums! Die antiken Bestattungsverfahren lassen aufhorchen: Nach vorangegangener Mazeration hat man die Gebeine der alten Kirchfürsten sachkundig gefaltet in kompakte Grabstätten gebettet. DSC_0629Auf den Spuren von Indiana Jones besichtigen wir die Kultanlage, besuchen Refektorien, Apsiden und bewundern die Malereien. Da wir die richtigen Antworten kennen und weise wählen, kommt keiner zu Schaden. Kurze Weiterfahrt führt uns zur Besichtigung der nahegelegenen unterirdischen Felsenstadt Kaymakli, in der sich einst die Bewohner vor den Kreuzrittern verschanzt haben. Die alte Infrastruktur, Wohn- und Vorratsräume sind größtenteils wieder ausgegraben und können besichtigt werden.

DSC_0674Der kurze Nachmittag ist der Erholung oder Freizeit gewidmet und schließt mit dem finalen Wrap-Up dieser Reise. Alle Teilnehmer haben wertvolle neue Eindrücke und Erfahrungen gewonnen und auch die Diskussion des Reiseverlaufs wird dazu beitragen, die International Study Tour künftig noch besser zu gestalten. Der Besuch des Derwisch Ordens in der Sarihan Karawanserei wird aber zum Höhepunkt des Abends. In der Präsentation der Whirling Dervishes kann man einen Eindruck von Riten und Ritualen gewinnen und in der folgenden Diskussion im persönlichen Gespräch vertiefen. Kraft und Intensität der Zeremonie sind deutlich zu spüren und werden einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Morgen ist Abreisetag. Koffer müssen gepackt werden, frühes Aufstehen ist angesagt.

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