Weiterbildung – ich hab da mal so ein Modell gemacht…

Es begab sich so: Meine Mutter hat kurz vor ihrer Pensionierung eine SAP-Einführung mitgemacht. Was heißt mitgemacht – durchgemacht! Und unsere ganze Familie hat mitgemacht. Sie arbeitet seit 30 Jahren in der Buchhaltung eines amerikanischen Medizintechnik-Unternehmens, spricht gut Englisch, arbeitet seit den frühen 70ern mit dem PC und ist für 64 echt jung geblieben. Was ihr allerdings echt zu schaffen machte: diese SAP-Einführung. Alles komplett neu, neue Prozesse, ganz andere Oberfläche… Kein gutes Manual und ihre junge Kollegin als „Superuser“, die sie für Fragen adressieren konnte. Und immer das Gefühl, dass es in den Schulungen zu schnell ging.

Da es in deutschen Unternehmen etliche dieser Fälle gibt, aber keiner so gern darüber sprechen mag, habe ich mich theoretisch, und dann auch empirisch näher damit befasst.

Da sind auf der einen Seite die „jungen Wilden“ (also auch ich ;)). Der Begriff der Generation Y wurde nicht nur gewählt, um deutlich zu machen, dass dies diejenige Generation  ist, die nach der „Generation X“ geboren wurde. Englisch ausgesprochen bezieht sich das Y auf das „Why“, die Sinnsuche, die für diese Generation der nach 1980 geborenen charakteristisch ist. Es ist eine Generation, die gut ausgebildet ist, keine Not und keine Kriege kennt und im Überfluss lebt. Aufgewachsen in Käufermärkten ist Konsum und Emotionalität für uns selbstverständlich. Wir sind flache Hierarchien gewohnt und erwarten diese im Unternehmen. Mit emotionaler Ansprache im Elternhaus wie in der Werbung aufgewachsen, erwarten wir diese auch im Unternehmen. Hinzu kommt, dass wir als „digital natives“ gelten und damit Internet, Smartphones und Apps für uns so selbstverständlich sind wie es der VW Käfer und der Münzfernsprecher für unsere Eltern waren. Wir leben im Bewusstsein praktisch unbegrenzter Möglichkeiten und erwarten diese auch von unseren Arbeitgebern.

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Den Gegenpol zur jungen Generation Y stellt die Generation der „Silver Surfer“ (auch genannt Baby Boomer)  dar – unsere Eltern. Der Begriff bezieht sich auf die Generation 50plus, die als eher argwöhnisch gegenüber technischen Neuerungen und dem Internet gilt (obwohl meine Mutter eine ausgewiesen Amazon-Shopperin ist!). Laut einer Studie der European Interactive Advertising Association gehen nur 24% der Silver Surfer regelmäßig online. Zudem schleichen sich ab Mitte 50 die ersten Wehwechen ein, weswegen diese Gruppe statistisch gesehen den höchsten Krankenstand aufweist.

Haben beide Gruppen auch deutlich unterschiedliche Wertestrukturen, stellen sie die gleiche Anforderung an das Personalmanagement: Sie möchten ihr Potenzial voll entfalten und in den Dienst des Unternehmens stellen, wenn auch womöglich auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Dies wird insbesondere beim Thema IT immer wieder offensichtlich. Die Jüngeren haben neue Programme schnell verstanden, während Ältere noch auf der Tastatur herumsuchen. Darauf müssen Unternehmen Rücksicht nehmen. Und Jüngeren beispielsweise intensivere IT-Schulungen mit mehr Hintergrundwissen gönnen, während die Älteren einfach etwas mehr Zeit brauchen, bis sie neue Programme können und verinnerlicht haben.

Ein kluger Kollege warf daraufhin ein, ob man so nicht Unterschiede zementiere und die Kluft möglicherweise vergrößere. Ich sehe das noch ambivalent, da ich glaube, dass sich meine Mutter mit ein paar weiteren Ü50ern in der Gruppe wohler gefühlt hätte als mit den Youngsters. Andererseits kann es dann auch schnell heißen, dass es eine „Rentnertruppe“ gibt, die langsamer im Denken sei.

Ich freue mich auf Eure Meinungen hierzu.

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