Business Yoga an der GGS: Schnaufen mit den Kollegen

Nun also doch. Bislang hatte ich mich erfolgreich dem Mach-Yoga-und-du-bist-entspannt-schön-und-fit-Trend verweigert. Da kam das Angebot für uns GGS-Mitarbeiter zu einer Business-Yoga-Stunde. Vor meinem geistigen Auge sah ich mich schon mit meinen Kollegen keuchend über den Boden kriechen und mit verrenkten Gliedmaßen Figuren wie die Heuschrecke oder Kobra praktizieren – trotzdem: Die Neugier siegte, ich meldete mich an.

Statt mir in der Mensa wie gewohnt den Bauch vollzuschlagen, sitze ich also eines Mittags mit 18 (fast ausschließlich weiblichen!) Kollegen in einem unsere Vorlesungsräume in einem Stuhlkreis. Unser Yoga-Lehrer ist auf den ersten Blick sofort als solcher zu erkennen. Mit seinem Turban, der hellen Leinenkleidung und dem grauen Rauschebart sieht man Martin Mulfinger sein Diplom in Kundalini-Yoga an. Dabei spricht er – sehr sympathisch – mit hiesigem Dialekt.

„Kundalini Yoga ist die älteste Form des Yoga“, erklärt er. Der Atem spielt dabei eine zentrale Rolle. Und das tun wir in den nächsten 45 Minuten: atmen, atmen, atmen. Mal tief und langsam, mal tief und schnell und zwar immer durch die Nase. „Das Bäuchlein muss sich wölben“, klingt die Stimme Mulfingers durch den Raum. Meine Augen sind auf seine Anweisung hin geschlossen. Konzentration. Ich krame meine Atemkenntnisse aus der Musikschule wieder heraus und leite die Luft in den Bauch, der sich aufbläht wie ein Luftballon.

Business-Yoga

Martin Mulfinger (l.) unterrichtete GGS-Mitarbeiter in Kundalini-Yoga.

Bei der Feueratmung, einem kräftigen, schnellen Stoßatmen, schnaufe ich wie eine Dampflok. Aber auch meine Kollegen höre ich wie wütende Stiere durch die Nase schnauben. Wieder (oder noch immer?) haben wir die Augen zu. Die meiste Zeit sitzen wir, über den Bodenroppen ist beim Business Yoga wohl nicht üblich. Die Sorge war also unbegründet. Später folgen Übungen im Stehen, wir schwenken die Arme, spreizen die Finger und atmen immer wieder tief ein und aus. So langsam merke ich, wie mir die Puste ausgeht. Gut und richtig atmen ist anstrengender als gedacht.

Letztlich ist es beim Yoga wie bei allem Neuen: Man muss offen sein und sich drauf einlassen. Am Ende stellt sich die Stunde als das heraus, was sie sein sollte: als entspannt und vor allem entspannend. Spaß hat es außerdem gemacht. Ich fühle mich gut. Dass ich trotzdem keine leidenschaftliche „Yogistin“ mehr werde, steht auf einem anderen Blatt, das keinen interessiert. Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir die Chance zum Yoga hatten. Und dass ich dem Yoga eine Chance gegeben habe. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.

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