Wolke 7 mit Aussicht auf Schlammlöcher

Vor mir der Abgrund. Fünf Meter liegen zwischen mir und dem Aufprall auf dem Boden. Mein Shirt ist durchnässt, meine Schuhe auch. 28 Hindernisse habe ich bereits erfolgreich überwunden, bin durch Eiswasser und Dreck gewatet, doch jetzt stehe ich hier auf der Stadtmauer in Neuenstadt und hadere. Mit mir und meiner Angst. Mein Atem geht schneller und ich spüre das Adrenalin durch meine Adern schießen. Ja gut, auf dem Boden liegt ein dickes Luftkissen, das meinen Sprung abfedern wird, doch so richtig lass ich das nicht gelten. Mein Herz rast, jetzt oder nie, ich nehme Schwung – und springe…

So oder so ähnlich wäre es mir wohl ergangen, wäre ich am Samstag beim Motorman Run mitgelaufen. Bin ich aber nicht, einer muss schließlich die Fotos machen! Aber auch als Zuschauer erahnt man zumindest ansatzweise, was für Strapazen der Motorman Run bedeutet – aber auch was für eine Gaudi.

Viele Läufer legen sich nämlich nicht nur sportlich richtig ins Zeug, sondern bieten dank ihrer Kostüme den Zuschauern ein buntes Spektakel. Da laufen die Einhörner neben Minions. Neandertaler schwingen ihre Keule, während das Elvis-Team mit Brusthaartoupet bestimmt schon beim ersten Wasserhindernis seine vollgesogenen Schlaghosen verflucht hat. Andere haben es sich leichter gemacht: Sie laufen gleich mit freiem Oberkörper.

Die GGS Masters laufen – als sie selbst. Trotzdem sind sie auch in der Masse von knapp 2500 Läufern an dem GGS-Schriftzug auf der Brust immer gut erkennbar. 15 Studierende, Alumni und Mitarbeiter sind erstmals angetreten, um den 8 Kilometer langen Parcour mit 39 Hindernissen in Neuenstadt zu besiegen. Vier davon haben sich entschieden, den „wahren“ Motorman Run zu absolvieren. Heißt: doppelte Strecke, doppelte Hindernisse. Immerhin weiß man dann, was einen im zweiten Durchgang erwartet.

Denn die meisten starten ohne zu wissen, was genau auf sie zukommt. Zwar liefern Namen wie Simones Reißender Strom, Helmuts Wadenbeißer oder Schulers Abschleppdienst gewisse Hinweise, aber sicher ist nur eins: Trocken bleibt an diesem Tag keiner. Das diesjährige Motto „Liebe Dreck. Liebe Wahnsinn“ ist Programm.

Das Hindernis 29 – die Wolke 7 – ist dann für viele tatsächlich eine Überraschung. Und keine angenehme. Während sich die einen jauchzend von der Mauer schmeißen, sehen sich die anderen mit ihrer größten Angst konfrontiert. Höhe ist nicht jedermanns Sache und so spielen sich auf der Stadtmauer richtige Dramen ab. Als Zuschauer fiebert man richtig mit, wie so mancher, sich ans Geländer klammernd und mit zitternden Knien, seinen inneren Kampf ausficht – springen oder nicht springen, das ist hier die Frage. Die meisten überwinden sich, doch manche treten dann doch den Rückzug an und bringen sich übers Geländer in Sicherheit. Sie müssen als „Strafe“ über ein Spinnennetz klettern.


Das ist zumindest die sicherere Alternative. Für manche bedeutet der Sprung in die Tiefe nämlich gleichzeitig das Ende des Laufs. Es sind nicht wenige, die im Laufe des Nachmittags falsch mit dem Fuß aufkommen und mit dem Krankwagen abtransportiert werden müssen. Von den GGS Masters ist das zum Glück bei keinem der Fall. Sie alle schaffen es (mehr oder weniger) heil ins Ziel. Dreckig, durchnässt, aber glücklich und auch ein wenig stolz.

Das erste Mal der GGS Masters beim Motorman soll nicht das letzte Mal sein. Alle sind sich einig: Das schreit nach Wiederholung!

Und vielleicht bin auch ich im nächsten Jahr dabei. Allerdings: Wer soll denn dann die Fotos machen?

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